Ernst May in Magnitogorsk (2009)
Das Erbe der Brigade Ernst May in Magnitogorsk heute.
Ein Exkursionsbericht

Jede Auseinandersetzung mit dem architektonischen und städtebaulichen Erbe der «Brigade Ernst May» in Magnitogorsk, dieser Modellstadt des ersten sowjetischen Fünfjahrplans, beginnt notwendig mit der vorangegangenen Planungsgeschichte und insbesondere mit dem im Dezember 1929 ausgeschriebenen und im März 1930 ausgelobten Allunionswettbewerb «Sozialistische Siedlung beim Magnitogorsker Chemisch-Metallurgischen Kombinat». Die Entwürfe von Ivan Leonidov und seiner Gruppe OSA, 1930 in der Zeitschrift «Sowjetische Architektur» veröffentlicht, wurden zu Ikonen der sowjetischen Avantgarde-Architektur und der internationalen Moderne. (Abb. 1) Wie die Autoren des von Harald Bodenschatz und Christiane Post herausgegebenen Buches Städtebau im Schatten Stalins (2003) anschaulich nachzeichnen, lag dieser Wettbewerb noch in der Periode der innersowjetischen programmatischen Grundsatzdebatte, in der verschiedene kulturrevolutionäre Ansätze modernen Städtebaus konkurrierten. In der darauf folgenden Phase 1930/31 wurden dann ausländische Experten einbezogen, die Planungskultur war auf Umsetzung orientiert und die Projekte waren den Prinzipien des modernen Städtebaus verpflichtet. Die große städtebauliche Wende kam dann 1931/32 mit der pragmatischen Akzeptanz überkommener Stadtstrukturen und der Einbindung des Städtebaus in die Fünfjahrplanung. Dabei verloren die ausländischen Experten ihren Einfluss. Mit dem Beschluss über den Generalplan für Moskau 1935 kann dieser Übergang zum «sozialistischen Städtebau der Ära Stalins», der Hinwendung zu neuer Prächtigkeit und der hybriden Verbindung von «moderner» und «traditionalistischer» Orientierung als abgeschlossen betrachtet werden. .

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